
Inklusives Ehrenamt als Chance
Unsere Gesellschaft lebt vom ehrenamtlichen Engagement tausender Menschen – allein in Niedersachsen sind es 3,2 Millionen. Doch obwohl Freiwillige in allen Vereinen und Organisationen händeringend gesucht werden, sind Menschen mit Behinderung hierbei häufig noch ausgeschlossen. Der Grund: Die Rahmenbedingungen passen einfach nicht.

Rund 130 Teilnehmer diskutierten deshalb Ende vergangenen Jahres auf einem eigenen Fachtag, wie inklusives Ehrenamt gelingen kann. Erfahrungsberichte zeigten, welche Hürden es bislang gibt und welche Bedingungen Menschen mit Behinderung für eine ehrenamtliche Tätigkeit brauchen. „Inklusives Ehrenamt ist eine Chance und ein Gewinn für alle. Jeder Mensch […] kann ehrenamtlich tätig sein“, erklärte Annetraud Grote, Niedersachsens Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung. Sie forderte dazu aber „noch mehr barrierefreie Möglichkeiten, gut angepasste und individuelle Hilfsmittel sowie finanzierte Assistenzkräfte.“
Diese Forderung unterstützt der VdK Niedersachsen-Bremen ausdrücklich. Denn wer bei der ehrenamtlichen Tätigkeit auf Assistenz angewiesen sind, muss meist auf unentgeltliche Unterstützung im Familien- und Freundeskreis vertrauen. „Deshalb fordern wir einen Rechtsanspruch auf geeignete Hilfsmittel bei der Kommunikation wie zum Beispiel einen Gebärdendolmetscher oder persönliche Assistenz, wenn dies für die Ausübung des Ehrenamtes notwendig ist“, erklärte VdK-Landeschef Friedrich Stubbe.
Input wird gebraucht
Auch der Einsatz von elektronischen Sprachausgabegeräten oder die Kommunikation in Leichter Sprache könnten ein entscheidender Schlüssel zur Teilhabe und Mitbestimmung im Ehrenamt sein. Alle Teilnehmer des Fachtages wurden aufgefordert, noch mehr Menschen mit Behinderung ins Ehrenamt zu bringen. Denn diese wüssten als Experten in eigener Sache am besten, wie sie sich mit ihren Ideen und Potentialen einbringen können und welche Unterstützung sie benötigen.
Für den VdK nahm Reinhold Krull aus dem Kreisverband Cloppenburg teil: „Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, die Mut gemacht hat, sich auch weiterhin für die Teilhabe aller Menschen im Ehrenamt einzusetzen. Denn wir können es uns nicht leisten, große Teile unserer Bevölkerung von diesem Engagement auszuschließen!“
Organisiert wurde die Fachtagung von der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, dem Sozialministerium und der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA).
