Kategorie Verbandsleben Ehrenamt

„Es gibt einen tollen Zusammenhalt“

Von: Christina Diekmann

Welche Themen wurden beim letzten Treffen angesprochen und was ist als Nächstes zu tun? Damit jedes Vorstandsmitglied auf dem gleichen Wissensstand ist, wird bei jeder Sitzung Protokoll geführt. Im Landesvorstand übernehmen das Holger Beyer als Schriftführer und Anke Erlach als Stellvertreterin. Wir haben mit ihnen über den Spagat zwischen Ehrenamt und Privatleben gesprochen und wollten wissen, was sie in unserem Land verbessern würden.

Porträtfotos von den beiden Personen
Anke Erlach und Holger Beyer © Peter Himsel

Wie startet euer Morgen: gemütlich mit Zeitung und Kaffee oder sportlich mit Bewegung?

Holger Beyer: Der Morgen beginnt mit Kaffee und Zeitung – mittlerweile digital.

Anke Erlach: Das ist bei mir unterschiedlich. Manchmal bin ich morgens schon sportlich unterwegs. Wenn ich Zeit habe, frühstücke ich aber auch gerne mit Kaffee und lese ausführlich die Zeitung.

Holger, beim VdK hast du gleich mehrere Ehrenämter – reicht eines nicht?

Holger Beyer: Das könnte man bei meiner Vita tatsächlich meinen (lacht). Ich engagiere mich mittlerweile seit fast 24 Jahren ehrenamtlich beim VdK. Und das auf allen Ebenen des Verbands: Von Beginn an bin ich Vorsitzender im Ortsverband Moorriem-Großenmeer und seit acht Jahren zudem Kreisvorsitzender. Da war es für mich nur ein logischer Schritt, auch im Landesvorstand mitzuwirken, um die Themen unseres Verbands voranzubringen.

Anke, wie ist es bei dir?

Anke Erlach: Ganz so lange bin ich noch nicht beim VdK, aber auf 13 Ehrenamtsjahre komme ich auch schon. Unseren Verband kenne ich von der Pike auf: Als Ortsvorsitzende in Edewecht stehe ich beinahe täglich im direkten Kontakt mit unseren Mitgliedern. Im Kreisvorstand stehen eher überregionale Themen und die Zusammenarbeit der einzelnen Ortsverbände auf dem Programm. Und im Landesvorstand bin ich seit 2017 aktiv, erst als Schriftführerin, nun als Holgers Stellvertreterin. Das braucht schon etwas Organisation, denn man muss auch immer bedenken, für welches Amt man gerade unterwegs ist.

Und nicht zu vergessen: dein Engagement in Berlin…

Anke Erlach: Ja genau. Ich vertrete unseren Landesverband dort im Bundesausschuss des VdK Deutschland, in der Finanzkommission und in der Bundesfrauenkommission. Außerdem war ich bereits Revisorin im Bundesvorstand.

Ihr seid beide ziemlich involviert, wie schafft ihr den Spagat zwischen den einzelnen Ämtern und was ist euer Ausgleich?

Holger Beyer: Zum Glück sind wir Rentner (lacht). Nein, kleiner Spaß. Wir arbeiten in allen Verbandsstufen mit ehrenamtlichen Vorstandsteams, sodass sämtliche Aufgaben gut verteilt werden – das ist ein toller Zusammenhalt und anders geht es auch gar nicht. Denn natürlich dürfen neben all dem ehrenamtlichen Einsatz auch die Familie und vor allem meine vier Enkelkinder nicht zu kurz kommen. Übrigens bin ich auch noch passionierter Fußballfan und würde gern häufiger nach München fahren.

Anke Erlach: Im Ortsverband organisieren wir gesellige Treffen und Infoveranstaltungen für die Mitglieder oder helfen, wenn Unterstützung nötig ist. Das erfordert schon viel Zeit. Im Landesvorstand dagegen wird es etwas theoretischer: Wir kommen mehrmals im Jahr zusammen, um „die Geschäfte des VdK“ zu planen, beraten über die sozialpolitische Ausrichtung des Verbands usw. Das ist eine gute Mischung. Als Ausgleich zum VdK steige ich dann aufs Rad und mache auch gern mehrtägige Touren. Zeit mit meinen Enkelkindern ist mir ebenfalls ganz wichtig.

Wenn ihr einen Tag lang die Sozialpolitik in unserem Land verbessern könntet, welches Thema würdet ihr voranbringen?

Anke Erlach: Ich würde die Gleichstellung von Frauen und Männern mit gleichem Lohn und gleicher Aufteilung der Sorgearbeit auf den Weg bringen.

Holger Beyer: Die Gesundheits- und besonders die Pflegereform würde ich vom Kopf auf die Füße stellen, damit etwa die Ärzteversorgung auf dem Land gesichert ist und Pflege bezahlbar wird. Denn es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen in die Sozialhilfe rutschen oder pflegende Angehörige zuhause am Limit sind, weil sie die Kosten für ein Pflegeheim nicht stemmen können. 

Und zum Schluss: Was wünscht ihr euch für unsere Gesellschaft?

Anke Erlach: Ich wünsche mir einen fairen Umgang der Menschen miteinander. Und dass mehr Personen ein Ehrenamt übernehmen – spätestens zum Renteneintritt hat man dafür Zeit und sollte sich entsprechend einbringen.

Holger Beyer: Das spricht mir aus der Seele! Für ein lebendiges, vielfältiges und solidarisches Zusammenleben ist das Ehrenamt unverzichtbar. Ehrenamtliche schaffen Chancen, setzen sich für andere ein und verbinden Menschen miteinander. Um auch jüngere Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern, sollte auch unsere Politik dieses Engagement unterstützen, etwa durch Bildungsurlaub.