Kategorie Inklusion Gesundheit

„Regionale Apotheken müssen gestärkt werden!“

Von: Merle Ullrich

Zum „Tag der Apotheke“ am 7. Juni haben wir mit Dr. Mathias Grau von den Landesapothekern gesprochen.

Eine Apothekerin berät eine Dame am Tresen
Kompetente Ansprechpartner durch Apotheken vor Ort sind insbesondere für kranke und ältere Menschen wichtig. © ABDA

Es gibt sie längst nicht mehr in jedem Ort. Kein Wunder, denn alle 20 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke, teilt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit. „Damit gehen Versorgungssicherheit, persönliche Beratung und niedrigschwellige Gesundheitsangebote unwiederbringlich verloren“, warnt ABDA-Präsident Thomas Preis.

Allein in Niedersachsen wurden im Laufe des vergangenen Jahres knapp 50 Apotheken geschlossen, berichtet auch Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen. Ende 2024 gab es noch 1671, Ende 2025 waren es nur noch 1622. Der VdK Niedersachsen Bremen macht sich gegenüber der Politik für den Erhalt der Apotheken vor Ort stark.

Friedrich Stubbe
Landesverbandsvorsitzender Friedrich Stubbe, Quelle: Peter Himsel © Peter Himsel

„Ein gutes Netz an Vor-Ort-Apotheken ist gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung“, so Landesvorsitzender Friedrich Stubbe. Insbesondere für ältere und kranke Menschen sind Ansprechpartner vor Ort wichtig. Viele Betroffene sind nicht in der Lage, ihre Medikamente im Internet zu bestellen. Sie brauchen darüber hinaus auch eine persönliche Beratung, die zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln im Blick hat. Die Apotheken vor Ort müssen deshalb gestärkt werden, um diese wichtige Aufgabe auch erfüllen zu können, lautet die Forderung des VdK. 

Neben der Erreichbarkeit für die Kunden spielt auch die Belastung der verbleibenden Apotheken eine Rolle. Denn je weniger Apotheken es gibt, desto weniger Zeit haben die Mitarbeitenden für die Beratung, weil sie immer mehr Kunden betreuen müssen. Hinzu kommt die Verpflichtung zu Nacht- und Notdiensten, die auf immer weniger Schultern verteilt wird – und am nächsten Tag müssen die Apotheker wieder zu den Öffnungszeiten in der Apotheke stehen. Das müsse dann auch ausreichend honoriert werden, kritisiert Dr. Mathias Grau. Deshalb fordern die Apothekerinnen und Apotheker eine Erhöhung des Fixums (Festhonorar) auf 12 Euro pro Medikament – ohne weitere Abschläge.

Aktuell beträgt das Festhonorar für Apotheken 8,35 Euro – plus Logistikpauschale von drei Prozent des Einkaufspreises sowie 21 Cent zur Förderung der Sicherstellung des Notdienstes und 20 Cent zur Finanzierung zusätzlicher pharmazeutischer Dienstleistungen. Mit der Krankenkassenreform, die die Bundesregierung Ende April auf den Weg gebracht hat, soll dieser Betrag auf 9,50 Euro steigen – ein Plus von 1,15 Euro. Gleichzeitig sollen die Apotheken den Krankenkassen jedoch höhere Rabatte gewähren.

Der Apothekenabschlag, den die Apothekerinnen und Apotheker den gesetzlichen Krankenkassen einräumen müssen, wenn gesetzlich Versicherte Medikamente in der Apotheke holen, beträgt aktuell 1,77 Euro. Er soll nach den Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken um 30 Cent pro Packung, auf 2,07 Euro erhöht werden. Durch den höheren Abschlag bekommen die Apothekerinnen und Apotheker also tatsächlich nur 0,85 Euro – und nicht 1,15 Euro – mehr pro Packung (aktueller Stand bei Redaktionsschluss).

„Ich kann nicht glauben, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag die Belange der Apotheken noch als unterstützenswert erachtete und uns jetzt so in die Taschen greift“, sagt Dr. Mathias Grau. „Das ist ein Schlag ins Gesicht und ein offener Wortbruch“, kritisiert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbands.

Porträtfoto von Dr. Mathias Grau
Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen, führt eine Apotheke in Horneburg. © LAV