„Bibliothek der Dinge“: Leihen statt Kaufen
Was kann man in einer Bibliothek ausleihen? Na klar: Bücher! Aber eine Eismaschine, einen Hula-Hoop-Reifen oder einen Seitenschneider? Ja! Auch solche Dinge gibt es mittlerweile in einigen Bibliotheken. Denn neben Lesestoff haben viele Institutionen eine sogenannte „Bibliothek der Dinge“ eingerichtet, in der es mehr als „nur“ Bücher gibt.

Die Bremer Stadtbibliothek zum Beispiel hat aktuell insgesamt 186 „Dinge“ (auf mehrere Standorte verteilt) im Bestand. Die Bibliothek der Dinge gibt es dort seit 2022. „Wir als Bibliothek setzen uns für Chancengleichheit und soziale Teilhabe ein“, erklärt Katja Bischoff, die in der Stadtbibliothek Bremen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Durch die Bibliothek der Dinge können z.B. Familien eine Nintendo Switch (eine Spielekonsole) nutzen, die sich einen Kauf sonst nicht leisten könnten. Ein weiterer Aspekt ist das Thema Nachhaltigkeit. Bibliotheken stehen seit jeher für das Prinzip ,Leihen statt Kaufen‘ ein. Mit der ,Bibliothek der Dinge‘ bieten wir ein weiteres Angebot, um umweltfreundlich und ressourcensparend Gegenstände zu nutzen.“
Besonders beliebt sind in der Bremer Stadtbibliothek die Nintendo Switch, die Tonieboxen (elektronische Boxen, die durch das Aufstellen kleiner Figuren Hörspiele und Musik abspielen) und der Dia-Scanner, berichtet sie. Ein Mini-Video-Beamer, eine VR-Brille und die Eismaschine gehören dagegen in der Stadtbibliothek Achim zu den beliebtesten „Dingen“. Hier können Bibliotheksnutzer rund 55 Gegenstände aus der Bibliothek der Dinge ausleihen, erzählt Sasa Kovacevic, stellvertretender Leiter der Stadtbibliothek Achim.
Große Nachfrage
„Die Nachfrage nach Alltagsgegenständen ist groß, weshalb wir unser Sortiment kontinuierlich erweitern“, sagt er. Besonders beliebt seien Geräte, die man nur gelegentlich benötige, wie beispielsweise die Wärmebildkamera, die die Bibliothek erst kürzlich angeschafft hat. Neustes Stück im Sortiment ist ein Hochdruckreiniger, der nun ebenfalls ausgeliehen werden kann.
Die Motive, Dinge zu leihen, statt zu kaufen, sind auch in der Stadtbibliothek Achim unterschiedlich. „Manche mögen oder können die Anschaffungskosten nicht tragen, andere verfügen nicht über ausreichend Stauraum. Für viele spielt auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle“, weiß Sasa Kovacevic. Einige nutzten das Angebot auch, um Geräte zunächst zu testen, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden, sagt er. Für die Ausleihe sei kein zusätzlicher Aufpreis erforderlich, benötigt werde lediglich ein gültiger Bibliotheksausweis.
Leihen statt Kaufen
Auch private Initiativen setzen auf das Prinzip „Leihen statt Kaufen“, so wie der „Leihklub Bremen“. Die Idee sei im Studium entstanden, als er sich ein nachhaltiges Geschäftsmodell ausdenken sollte, erzählt Gründer Fabian Oestreicher. „Vieles wird gekauft, ein bis zwei Mal genutzt und steht dann herum – den Wohnraum wollen unsere Mitglieder besser nutzen“, sagt er. Andere sind nachhaltigkeitsbewegt und möchten durch die Ausleihe Ressourcen sparen.
„Wir wollen das Leihen und Teilen attraktiv machen! Ressourcenschonung wird häufig als Verzicht interpretiert. Wir wollen vormachen, dass Nutzen statt Besitzen Spaß machen kann und darüber hinaus Platz, Geld und Nerven spart“, erzählt Oestreicher.

Auch im Leihklub muss man Mitglied sein, um Dinge auszuleihen. Denn zum einen stecke schon im Wort „Klub“ das Konzept der Gemeinschaft, zum anderen glaubt das Team, dass die Mitglieder „auch besser mit den Dingen umgehen, wenn sie wissen, dass sie Teil eines Ganzen sind und ein Stück weit auch mit einer verantwortungsbewussten Nutzung zum Erfolg der Initiative beitragen“, sagt Fabian Oestreicher.
Über die Mitgliedsbeiträge finanziert das ehrenamtliche Team das Lager, Versicherungen, Software und vieles mehr. Dafür haben die Mitglieder 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Zugang zum Lager.
Info
Haben Sie auch Interesse an diesem Konzept? Die Externer Link:Büchereizentrale Niedersachsen listet einige teilnehmende Bibliotheken auf. Fragen Sie außerdem bei Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach diesem Angebot.