Kategorie Armut & Umverteilung Pflege zu Hause

„Mehr Aufklärung und finanzielle Mittel könnten häusliche Pflegearmut verhindern!“

Zu den aktuellen Ergebnissen der Studie „Armut in der häuslichen Pflege“ des Paritätischen erklärt Friedrich Stubbe, Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK Niedersachsen-Bremen:

Friedrich Stubbe

„Die Leistungen der Pflegeversicherung reichen vorne und hinten nicht, das zeigt die neue Studie des Paritätischen ganz deutlich! Tausende Pflegebedürftige in Niedersachsen und Bremen haben deshalb Anspruch auf die sogenannte Hilfe zur Pflege – doch sie schämen sich, Hilfe zu beantragen oder wissen häufig gar nicht, dass sie ihnen zusteht. In Niedersachsen machen gerade einmal 12 Prozent der zuhause versorgten Pflegebedürftigen ihren Anspruch auf Hilfe zur Pflege geltend, in Bremen sind es 15 Prozent. Es ist erschreckend, wie viele Menschen wegen ihrer Pflegebedürftigkeit in Armut geraten! 

Dazu geben wir als VdK der Politik drei wichtige Punkte an die Hand, um hier wirksam gegenzusteuern: Wir brauchen eine einheitliche Pflegeversicherung, in die alle Bürger einzahlen und die auch alle pflegebedingten Kosten übernimmt. Die politisch Verantwortlichen müssen ihren Blick endlich auch auf die häusliche Pflege richten und diese finanziell stärken, denn hier werden rund 85 Prozent der pflegebedürftigen Menschen versorgt. Außerdem müssen die Pflegestützpunkte dringend personell und finanziell ausgebaut werden. Nur durch mehr Beratung der Betroffenen können wir erreichen, dass sie die ihnen zustehenden Leistungen auch bekommen! Wir dürfen nicht länger zulassen, dass diese Menschen aus Unkenntnis oder Scham in Armut leben!“

Friedrich Stubbe, Landesverbandsvorsitzender

Hintergrund

In Niedersachsen nehmen nur 1,1 Prozent der zuhause versorgten Pflegebedürftigen die Hilfe zur Pflege in Anspruch, Pflegeheimbewohner immerhin zu 39 Prozent. In Bremen ist der Unterschied noch gravierender: In der häuslichen Pflege beziehen 3 Prozent die Unterstützungsleistung, wohingegen 63 Prozent der Menschen im Heim sie erhalten. Externer Link:Die Studie können Sie hier online einsehen.