Beratung und Begleitung aus einer Hand

Herr Malowik (Name von der Redaktion verändert) möchte wissen, welche Leistungen seiner pflegebedürftigen Mutter zustehen. Eine Seniorin braucht Hilfe beim Entlüften ihrer Heizkörper. Und andere fragen sich, ob sie beim Thema Vorsorge gut aufgestellt sind. Für diese Menschen ist der Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen (SPN) die zentrale Anlaufstelle, wenn es um Fragen zum Älterwerden, Wohnen und Pflege geht.

Die 5 Frauen vor dem Eingang zum Stützpunkt
Das Team des Senioren- und Pflegestützpunktes in Oldenburg (von links): Regina Schmidt, Tasja Martin, Iris Drescher, Dagmar Bunge-Köpping und Katrin Busse. © VdK

45 dieser Einrichtungen werden aktuell vom Land Niedersachsen gefördert. Die VdK-Zeitung hat den SPN in Oldenburg besucht und dort mit Dagmar Bunge-Köpping und Regina Schmidt über ihre Arbeit gesprochen.

Alter und Pflege sind sehr große Themen – was genau macht denn ein Senioren- und Pflegestützpunkt?

Dagmar Bunge-Köpping: Wir informieren zu allen Fragen rund ums Alter in den Bereichen Wohnen, Vorsorge, Freizeit und soziale Kontakte oder vermitteln etwa ehrenamtliche Helfer zur Alltagsbewältigung. 

Regina Schmidt: Beim Thema Pflege beraten wir zu Leistungen der Pflegeversicherung sowie Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort. Häufig ist der Übergang zwischen den Bereichen fließend, da Ratsuchende mit seniorenspezifischen Themen oft auch Pflegebedarf haben. Durch unsere enge Zusammenarbeit können wir dann direkt anknüpfen, Wege verkürzen und eine umfassende Beratung aus einer Hand ermöglichen.

Außerdem ist Netzwerkarbeit für uns enorm wichtig: Wir müssen immer wissen, was wo in Oldenburg möglich ist und wo die Menschen mit ihren Fragen gut aufgehoben sind, wenn die Grenzen des Senioren- und Pflegestützpunktes erreicht sind. So schicken wir Betroffene bei sozialrechtlichem Beratungsbedarf auch gerne zu den Sozialverbänden. 

Warum ist Ihre Arbeit so wichtig?

Dagmar Bunge-Köpping: Zunächst einmal beraten wir kostenlos und neutral, ohne wirtschaftliche Interessen. Unser Blick von außen ist für Betroffene wie auch Angehörige hilfreich, denn gewisse Themen sind innerhalb der Familie oft emotional aufgeladen, so etwa Gespräche übers Älterwerden oder die Frage, ab wann man nicht mehr selbst Auto fahren sollte. 

Durch unsere Zusammenarbeit mit rund 120 Ehrenamtlichen hier in der Stadt können wir aber noch viel mehr bieten: Geschulte Wohnberater geben Tipps, wie das Zuhause barrierefrei umgebaut werden kann. Unser Heimwerkdienst kommt etwa zum Wechseln der Glühbirne oder für kleinere Reparaturen bei älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen vorbei, IT-Helfer erklären die Nutzung von Handy oder TV-Gerät. Und in der Seniorenbegleitung bieten wir Menschen ab 60 Jahre einen Besuchsdienst für zuhause, eine Begleitung für Spaziergänge oder zu Kulturveranstaltungen. 

Wie genau läuft so etwas ab? Muss man sich bei Ihnen anmelden?

Regina Schmidt: Die Beratungen finden am Telefon statt, per Mail oder bei uns vor Ort. Es gibt offene Sprechzeiten, Terminvereinbarungen und teils auch Hausbesuche. Ganz wichtig ist aber: Die Menschen müssen sich selbst an uns wenden. Anfragen etwa von besorgten Nachbarn können wir nicht einfach auf Zuruf bearbeiten, denn wir möchten als vertrauensvolle Anlaufstelle wahrgenommen werden und nicht kontrollieren.

Und wer kommt zu Ihnen?

Regina Schmidt: Im Bereich der Pflege haben wir häufig mit Angehörigen zu tun, die Senioren suchen uns in der Regel selbst auf. Durch die Beratung kann der Hilfebedarf der Älteren oder Pflegebedürftigen meist länger nach hinten verschoben werden. Pro Jahr führen wir etwa 1400 Beratungen durch. Dabei lernen wir auch viel von den Menschen. Und es gibt eigentlich nichts, was wir noch nicht gefragt wurden (lacht). Wir haben auch Stammkunden, die uns seit Jahren immer wieder aufsuchen. Da entsteht schon ein gewisses Vertrauensverhältnis. 

Dagmar Bunge-Köpping: Unsere Erfahrung zeigt: Viele Menschen wissen einfach nicht, woher sie die notwendigen Infos bekommen können. Deshalb sind wir und unsere Netzwerkarbeit so wichtig! Denn was nützen gute Angebote, wenn die Menschen nichts davon wissen?

Das ist ein ganz schön weites Feld – woher bekommen Sie Ihre Infos dazu?

Regina Schmidt: Wir kommen alle aus dem sozialpädagogischen und pflegerischen Bereich, haben also viel Hintergrundwissen mitgebracht. Daneben erhalten wir immer wieder Schulungen und recherchieren auch selbst viel zu Fragen, die an uns herangetragen werden. Außerdem nehmen wir an verschiedenen Arbeitsgruppen wie der offenen Altenhilfe hier in Oldenburg teil. Auch sind wir Mitglied im Bündnis Pflege sowie bei der jährlichen „Eingeloggt!-Woche“ zum Thema Digitalisierung im März und der Woche der Demenz im September. 

Übrigens kommen wir auch gern zu Vorträgen raus und informieren über unsere Arbeit. So können wir die Menschen auf unser Beratungsangebot aufmerksam machen und lernen gleichzeitig weitere Vereine und Organisationen kennen. Dieser Austausch hilft uns enorm, um immer wieder auf dem neuesten Stand zu sein.

VdK-Fazit

Bei unserem Gespräch mit dem Senioren- und Pflegestützpunkt Oldenburg haben wir fünf unglaublich engagierte Frauen kennengelernt, die diese Beratung aus Überzeugung und mit ganzem Herzen ausfüllen! Sie sind – auch in ihrer Freizeit – immer auf der Suche nach Infos, wie sie die Betroffenen bestmöglich unterstützen können. Einfach toll, so ein Einsatz für unsere Gesellschaft!

Unterstützung vor Ort

Zur weiteren Verbreitung der Angebote können die VdK-Verbandsstufen ihren Senioren- und Pflegestützpunkt vor Ort um einen Vortrag bitten. 

Eine Liste aller Senioren- und Pflegestützpunkte in Niedersachsen ist online zu finden unter Externer Link:www.senioren-in-niedersachsen.de.