Der Winter - Unser Gedicht im Februar von Matthias Claudius

Ein alter Mann ist er, mit weißem Haar,
Sein Antlitz ist so bleich und wunderbar;
Er wandelt durch die Welt mit leisem Schritt,
Und wo er geht, da nimmt er alles mit.
Er streuet Eis und Reif auf Feld und Wald,
Er macht die warme Sonne trüb und kalt;
Er fesselt mit dem Frost den Fluss und See,
Und hüllt die Erde ein in tiefen Schnee.
Wir sitzen in der Stube warm und dicht,
Und schauen durch das Glas sein Angesicht.
Er schüttelt an der Tür, er will herein,
Doch wir, wir lassen ihn im Kalten sein.
Doch weh dem Wandrer, der auf freier Bahn
Muss kämpfen gegen diesen harten Mann!
Der Winter kennt kein Mitleid, keine Reu,
Er bleibt sich selbst und seinem Froste treu.
"Der Winter", Matthias Claudius, 1792.
Hinweis zum Urheberrecht: Dieses Gedicht von Matthias Claudius ist gemeinfrei.